Klimafreundliche Gebäude: Warum wir neue Maßnahmen brauchen


22.06.2021 von Kerstin Fischer

Was machen wir mit dem enormen CO2-Rucksack, den Gebäude schon mitbringen? Und welche Einflüsse haben die aktuell weiter verschärften Klimaziele auf den Gebäudesektor? Wir haben mit Björn Brecht gesprochen, Head of Product Management bei Kieback&Peter. Mit dem Gebäudeautomatisierungs-Unternehmen verbindet eine langjährige Partnerschaft. 

 

  • Die Einsparlücke der CO2-Emissionen hat sich durch die neuen Klimaziele noch einmal deutlich vergrößert. 34 Millionen Tonnen CO2 werden das jährlich sein. Was ist die Einsparlücke und was bedeutet sie für Immobilien?

Der Gesetzgeber arbeitet an vielen Ecken, um uns als Bürger, Unternehmer und als Organisationen zu motivieren, in die Erreichung der Klimaziele zu investieren. Bei den CO2-Einsparungen gilt das Jahr 1990 als Baseline. Prozentuale Einsparungen werden immer auf die Emissionen in diesem Jahr bezogen. Mit der Ratifizierung des Klimaabkommen von Paris hat sich Deutschland verpflichtet, Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele einzuleiten und entsprechend einen CO2-Reduktionsfahrplan verabschiedet. Bis zum Jahr 2050 gibt es regelmäßige Zwischenziele. 2020 war so ein Ziel. 

Wie man vielen Publikationen entnehmen konnte, wurde das Ziel insbesondere im Gebäudesektor nicht wie geplant erreicht. Ein nächstes Zwischenziel ist im Jahr 2030. Verlängert man den zwischen 1990 und 2020 erreichten Einsparpfad linear bis zum Jahr 2030, ergibt sich dort ein gewaltige Einsparlücke von mehreren Millionen Tonnen CO2, die mit dem aktuellen Ziel der Klimaneutralität 2045 noch größer wird und sich in den Folgejahren fortführt. Es gibt also noch viel zu tun.

Konkret bedeutet dies, dass wir die Dynamik steigern müssen, mit der wir in den vergangenen 30 Jahren die CO2-Emissionen reduziert haben. Es reicht nicht aus, von den bekannten und erprobten Maßnahmen etwas mehr zu machen. Wir müssen grundlegend andere Maßnahmen umsetzen. Viele Techniken und Technologien dafür stehen längst zur Verfügung. Sie kommen derzeit jedoch noch zu selten zum Einsatz.

 

  • Angesichts der wachsenden politischen Regulation und dem überall steigenden Druck, klimafreundlicher zu wirtschaften: Welche Rolle wird und kann die Digitalisierung dabei spielen?

Digitalisierung ist ein wesentlicher Baustein, um unser Leben ressourcenschonender zu gestalten. Das gilt insbesondere für die Gebäudewirtschaft. Gebäude starten mit einem enormen CO2- Rucksack, weil die Bauprozesse wenig standardisiert sind. Das gilt auch für Sanierungen, wo mit industriell gefertigten Komponenten Bauzeit und CO2- Ausstoß reduziert werden können.

Um die Möglichkeiten der Digitalisierung im Gebäudekontext voll auszuschöpfen, benötigen wir jedoch mehr als digitalisierte Bauprozesse. Auch der Gebäudebetrieb muss digitalisiert werden. Im Lebenszyklus eines Gebäudes ermöglichen datenbasierte Optimierungen erhebliche Einsparungen. Der Einsatz KI-gestützter Technologien eröffnet in puncto Energieverbrauch und Minimierung des CO2-Footprints bedeutende Einsparpotenziale für Investoren, Eigentümer und Betreiber von Immobilien Gebäuden. So lässt sich ein ESG-konformer Gebäudebetrieb mit wenig Aufwand in einzelnen Liegenschaften oder ganzen Portfolien umzusetzen.

In vielen Gebäuden könnten die Voraussetzungen noch besser sein, was die Ausstattung mit Verbrauchszählern, Sensoren und Aktoren angeht. Das gilt auch für den Neubau. Hier steht oftmals die zerstückelte Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft der Errichtung einer solchen Infrastruktur im Wege, die den Einsatz von Optimierungstechnologien erleichtern würde. Deshalb sollten Verbrauchszähler, Sensoren und Aktoren schon in der Bauphase eingeplant werden. Nachrüstungen sind natürlich möglich. Gesetzliche Vorgaben könnten hier jedoch unterstützen.  

 

  • Was sind zwei oder drei deiner täglichen Herausforderungen als Head of Product Management bei Kieback&Peter?

Wir sind mit 50 Standorten in 11 Ländern vertreten und vertreiben dort Produkte und realisieren individuelle Lösungen für unsere Kunden. Dafür stellen wir ein umfangreiches Portfolio zur Verfügung. Wir investieren viel in die Entwicklung unserer Produkte. Dazu müssen täglich Initiativen begleitet und Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden. Auch müssen wir uns auf die sich verändernden Anforderungen unserer Kunden einstellen. Stand bislang die Bewirtschaftung von Gebäuden im Vordergrund, dreht sich heute alles um die Reduzierung von CO2-Emissionen und einen ESG-konformen Gebäudebetrieb.

 

  • Last, but noch not least, interessiert uns noch: Wie motivierst du im privaten Umfeld andere um dich herum dazu, nachhaltiger zu leben?

„Nachhaltig leben“ ist ein zu großer Begriff. Wirtschaftskreisläufe sind so komplex und verzahnt, dass wir diese nicht vollständig erfassen. Persönlich orientiere ich mich an einigen Grundgewissheiten. Am sichtbarsten wird dies an meinem Mobilitätsverhalten. Ich bewege mich in der Stadt mit den Öffentlichen und dem Fahrrad fort. Für Ziele in Deutschland nutze ich kein Flugzeug. Ansonsten versuche ich Produkte möglichst lange zu nutzen. Ob dies ausreicht, um andere zu motivieren, wage ich nicht zu sagen. Aber jeder Beitrag in die richtige Richtung ist immens wichtig und kann potenziell Kreise ziehen.

 

  • Danke für das spannende Interview!

 

Kerstin Fischer ist versierte Kommunikationsexpertin und verantwortlich für das gesamte Spektrum von Pressearbeit bis Marketing bei Recogizer. Sie ist begeistert, Teil eines innovativen Marktumfelds zu sein und hat auch persönlich eine große Leidenschaft für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Kerstin Fischer | Head of Communications

Kerstin Fischer, Mitarbeiterin bei Recogizer

zurück zur Übersicht